Aus dem Starkenburger Echo

http://www.echo-online.de/lokales/bergstrasse/lorsch/lorscher-gruene-kritisieren-rodung-einer-brombeerhecke_17757569.htm

 

Erstellt am Samstag, 18. März 2017
Kategorie: Allgemeines

Knappe Mehrheit für den Parkplatz im Bau- und Umweltausschuss

„Ausschuss: Bau für 100 Pkw sorgt weiter für Diskussionen“

In der Nähe des gläsernen Besucherzentrums soll – jenseits der Weschnitz – der umstrittene Parkplatz-Ost entstehen.

Lorsch. Der umstrittene Besucherparkplatz hinter dem Altenmünster war erneut ein Thema für eine Bauausschuss-Sitzung. Das Gremium gab – nach längerer Diskussion – grünes Licht für die weiteren Schritte auf dem Weg zum Baurecht. Das gelang mit der knappen Mehrheit aus den Reihen von CDU und PWL. Über die Empfehlung für den Parkplatz-Ost werden dann die Stadtverordneten zu entscheiden haben.

Gegen die Planung sprachen sich Mitglieder von SPD, Grünen und FDP aus. Annette Hemmerle-Neber (SPD) bemängelte unter anderem eine fehlende städtebauliche Begründung, Dr. Klaus Wolff (FDP) lehnte es ab, den Masterplan für die Welterbestätte auch als Verkehrskonzept zu akzeptieren. Heftige Kritik übte unter anderem Matthias Schimpf (Grüne). Mit dem ausgewählten Standort für den Großparkplatz, auf dem insgesamt bis zu 100 Autos und zehn Busse unterkommen sollen, zeigte er sich nicht einverstanden. Eine Ausdehnung über die Weschnitz hinaus sei „ein Tabubruch“. Aus Lorsch gebe es auch Unmut über das Wachsen des Bensheimer Stubenwalds, erinnerte er. Die Klosterstädter sollten nun nicht Ähnliches beginnen.

„Der Parkplatz liegt falsch“, wiederholte der Grüne. Die Wege zum Zentrum seien von dort aus weit. Die Stadt profitiere vom Welterbe-Prädikat, räumte Schimpf ein. Die Kritik der Grünen richte sich auch nicht gegen die Arbeit, die Lauresham leiste, betonte er. Den Bedarf für den Großparkplatz sah Schimpf allerdings – mit Blick auf den Saisonbetrieb in Lauresham – „dauerhaft nicht gegeben“. Die angespannte Parkplatz-Situation im Zentrum werde mit dem Neubau sowieso nicht gelöst.

Wohl 180 000 Gäste, nicht jeder zahlt

Lorsch. Annette Hemmerle-Neber (SPD) war mit mehreren Stellungnahmen der Verwaltung nicht einverstanden, als in der Ausschuss-Sitzung über das Ergebnis der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange zum Besucherparkplatz beraten wurde. Es gebe keine überzeugende Ermittlung zum Platzbedarf, kritisierte sie etwa. Die Zahl von 180 000 Besuchern pro Jahr plus eine jährliche Steigerung von fünf Prozent, von der Schlösserverwaltung als Anhaltspunkt gemeldet, führte auch bei Dr. Klaus Wolff (FDP) zu Fragen. Bürgermeister Schönung erinnerte daran, dass die Museumsbetreiber 2015 rund 60 000 Tickets verkauften – nur jeder dritte Lorsch-Besucher aber kaufe laut Schlösserverwaltung auch gleich eine Eintrittskarte.

Auch die von der SPD angeregte Bürgerbefragung zum Parkplatz war Thema. Die Stimmung für den Parkplatz sei nicht gut, so Wolff mit Hinweis auf eine Frage beim BA-Wahlforum im Vorjahr. Im laufenden Bauleitverfahren sei dieses Instrument jetzt nicht zulässig, so die Verwaltung. Kritik, die Bürger nicht mitzunehmen, wies Schönung mit Verweis auf die Offenlage zurück. Es seien kaum Stellungnahmen abgegeben worden – auch die Zahl der Zuhörer bei der Ausschuss-Sitzung war gering, bemerkte Schönung. sch

Noch ein weiteres Argument warf Schimpf in die Diskussion: Die Zufahrt zum Parkplatz von der B 460 aus könne zu einer „deutlichen Verschlechterung“ des bislang ungehindert fließenden Verkehrs auf der Bundesstraße führen. „Das muss jedem klar sein“, warnte er.

„Wir stehen zum Parkplatz“, erklärte dagegen Jürgen Sonnabend. Der Christdemokrat erinnerte daran, dass mit der millionenschweren Aufwertung der Welterbestätte die Verweildauer der Besucher in Lorsch erhöht werden sollte. Mit der neuen Besucherlenkung über den Ankunftsort an der Weschnitz soll die Königshalle laut Masterplan als Höhepunkt eines Rundgangs erlebt werden. Es wäre zudem unsinnig, die Belastungen im Zentrum durch weiteren ortsfremden Straßenverkehr zu erhöhen, so Sonnabend.

Als „Fan von Lauresham“ bezeichnete sich Anne Metz-Denefleh (Grüne). Das Freilichtlabor sei ein großer Zugewinn. Für die Schutzgüter Boden und Natur habe man aber ebenfalls Verantwortung. Der Flächenverbrauch für den Parkplatz sei „zu viel“. Metz-Denefleh vermisste ein „Gesamtverkehrskonzept“ für die Besucherströme. Sie zeigte sich überzeugt davon, dass „noch nicht alle Möglichkeiten ausgereizt“ seien. Statt einen Großparkplatz zu bauen, müssten sich auch „drei bis vier“ kleinere Parkflächen finden lassen.

Bürgermeister Christian Schönung stellte klar, dass das Kloster ganzjährig Gäste anziehe, viele Termine auch außerhalb der Lauresham-Saison biete. Mit der Tabakscheune als Museum sorge auch die Stadt für zunehmenden Tourismus im Klosterfeld, ergänzte Frank Schierk (SPD). Von den Lorscher Gremien sei vor Jahren entschieden worden, das Infozentrum an die Weschnitz zu bauen, erinnerte Schönung. Würde der Parkplatz jetzt nicht in unmittelbarer Nähe errichtet, dann müsse man sich fragen lassen, warum das rund zwei Millionen Euro teure Glashaus dort überhaupt hingestellt wurde. „Ohne Infozentrum und Lauresham wäre der Parkplatz entbehrlich“, warf Schimpf dazu ein.

Ökologischster Stellplatz im Land

„Wir haben auch das Schutzgut Mensch“, so Schönung an die Adresse der Grünen. Parksuchverkehr mit den damit verbundenen Umweltgiften nütze niemandem. Zum Verkehrskonzept erinnerte er an den ÖPNV. Die Buslinie 641 sei ein „Riesenvorteil“ als Zubringer. Der geplante Stellplatz an der Weschnitz soll zudem „der ökologischste Parkplatz Deutschlands“ werden, so der Bürgermeister. Im Übrigen sehe der erste Bauabschnitt nur Platz für 50 Pkw und zehn Busse vor. sch

© Bergsträßer Anzeiger, Samstag, 18.03.2017“

Erstellt am Samstag, 18. März 2017
Kategorie: Allgemeines

„Brombeerhecken-Biotop zwischen Weschnitzinsel und Rückhaltebecken radikal entfernt“

Pressemitteilung von B´90/DIE GRÜNEN Lorsch

 

 

 

Am vergangenen Wochenende erhielten die Lorscher GRÜNEN Hinweise von besorgten Naturschützern und Vogelfreunden, dass im Bereich des Weschnitz-Rückhaltebeckens bis hin zur Herrenbrücke eine etwa 200 Meter lange, 4 Meter breite und mehr als mannshohe Brombeerhecke vollständig verschwunden sei. Damit habe man Singvogelarten, wie beispielsweise der Nachtigal, dem Zaunkönig und den Grasmückenarten die Nistmöglichkeiten genommen.

 

GRÜNEN-Fraktionsvorsitzender Günter Jakob und Stadtrat Dieter Angermann machten sich vor Ort ein Bild vom Zustand des besagten Landschaftsgürtels. Offensichtlich wurde dort ein Gehölzstreifen, bestehend aus Strauchwerk und höheren Bäumen, im Rahmen einer turnusmäßigen Pflege zurückgeschnitten. Stein des Anstoßes sei jedoch nicht dieser Gehölzstreifen, sondern die ursprünglich parallel dazu verlaufene mächtige Brombeerhecke, die nun völlig verschwunden ist. „Da wurde Tabula rasa gemacht“, war man sich einig.

 

Es könne aber durchaus triftige Gründe für die Beseitigung der Brombeerhecke geben, wenn beispielsweise das Wurzelwerk die Festigkeit des Dammes und damit den Hochwasserschutz beeinträchtigt hätte. Diese und eine Reihe weitere Fragen will Fraktionsvorsitzender Jakob in Form einer parlamentarischen Anfrage abklären.

 

Aus den Reihen der Naturschützer haben die GRÜNEN vernommen, dass für die verschwundene Hecke, evtl. an einer anderen Stelle, eine Ausgleichsmaßnahme wünschenswert wäre. Da dieser Ausgleich möglichst schnell erfolgen müsse, wäre die ideale Lösung eine sogenannte Benjes-Hecke. Dabei handelt es sich um Ablagerungen von dünnem Gehölz, die Vögeln und Kleintieren schnell wieder Schutz und Nahrung bieten können, heißt es abschließend in der Pressemitteilung der GRÜNEN.

 

 

Günter Jakob
Fraktionsvorsitzender
B´90/DIE GRÜNEN

Erstellt am Mittwoch, 15. März 2017
Kategorie: Allgemeines

Neu in Lorsch – Waldkindergarten wurde eröffnet

Wald- oder Naturkindergärten unterscheiden sich von herkömmlichen Kindergärten im Wesentlichen darin, dass sich die Kinder überwiegend in der Natur aufhalten. Die Grünen standen schon immer für dieses pädagogische Konzept als Teil des Lorscher Betreuungsangebots und hoffen auf regen Zuspruch.

Erstellt am Donnerstag, 23. Februar 2017
Kategorie: Allgemeines

Bericht im Starkenburger Echo

Starkenburger-Echo vom 23. Februar 2017:

 

Ka­no­nen auf Kat­zen?

TIER­SCHUTZ Auf An­trag der Grü­nen wird es in Lorsch ei­ne Ver­ord­nung zur Kas­tra­ti­on ge­ben

LORSCH. Mö­gen ei­ni­ge Stadt­ver­ord­ne­te beim Blick auf die Ta­ges­ord­nung der jüngs­ten Sit­zung des Kom­mu­nal­par­la­ments ge­schmun­zelt ha­ben, den An­trag der Grü­nen, ei­ne „Kat­zen­schutz­ver­ord­nung“ für Lorsch ein­zu­füh­ren, gar für ei­nen Fast­nachts­scherz ge­hal­ten ha­ben – Grü­nen-Frak­ti­ons­vi­ze Mat­thi­as Schimpf mach­te bei sei­ner An­trags­be­grün­dung auf den ern­sten Hin­ter­grund auf­merk­sam: Die Po­pu­la­ti­on ver­wil­der­ter Haus­kat­zen wächst.

Die Tier­hei­me der Re­gi­on hät­ten ih­re Ka­pa­zi­täts­gren­zen er­reicht. Vor al­lem ver­wil­der­te Kat­zen könn­ten kaum noch auf­ge­nom­men wer­den. Hin­zu kom­me, dass die Tie­re oft krank sei­en. Mit der Ein­füh­rung ei­ner Kas­tra­ti­ons­pflicht für im Frei­en le­ben­de Kat­zen sol­le die un­kon­trol­lier­te Ver­meh­rung ge­bremst wer­den. Kat­zen soll­ten mit­tels Mi­kro­chip oder Tä­to­wie­rung ge­kenn­zeich­net und re­gis­triert wer­den, er­klär­te Schimpf. In Lorsch sol­len da­mit zu­künf­tig nur noch kas­trier­te und ge­chipp­te Kat­zen vor die Tür dür­fen. Aus­nah­men gibt es für den Kat­zen­nach­wuchs un­ter fünf Mo­na­te so­wie auf An­trag für Zucht­tie­re.

Schimpf wies auch auf die ne­ga­ti­ven Fol­gen ei­ner Über­po­pu­la­ti­on von Kat­zen für Vö­gel und Rep­ti­lien hin. Kat­zen könn­ten auch Krank­hei­ten auf an­de­re Tie­re über­tra­gen. Um die Tie­re zu schüt­zen, ei­ne ste­tig stei­gen­de un­kon­trol­lier­te Ver­meh­rung zu brem­sen und die Tier­hei­me zu ent­las­ten, sei­en be­reits meh­re­re hes­si­sche Kom­mu­nen dem Vor­bild der Stadt Pa­der­born ge­folgt, ei­ne Kat­zen­schutz­ver­ord­nung ein­zu­füh­ren. In Pa­der­born gilt ei­ne sol­che seit 2008. Al­lei­ne durch die öf­fent­li­che Be­kannt­ma­chung sei die Ka­tra­ti­ons­ra­te dort um 40 Pro­zent ge­stie­gen, er­läu­ter­te Schimpf, der in sei­ner Zeit als Kreis­beige­ord­ne­ter auch De­zer­nent für das Ve­te­ri­när­we­sen war.

Nur die So­zi­al­de­mo­kra­ten stel­len die Sinn­fra­ge

Auch in Lorsch wird es zu­künf­tig ei­ne „Kat­zen­schutz­ver­ord­nung“ ge­ben. Die Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung stimm­te dem An­trag mit den Stim­men von Grü­nen, CDU und PWL so­wie ei­nem Ver­tre­ter der FDP zu. Die So­zi­al­de­mo­kra­ten sa­hen noch vie­le un­ge­klär­te De­tail­fra­gen und spra­chen sich wie die Li­be­ra­len für ei­ne wei­te­re Be­ra­tung im Haupt­aus­schuss aus. Für SPD-Frak­ti­ons­spre­cher Dirk San­der stell­te sich die grund­sätz­li­che Fra­ge: „Ha­ben wir in Lorsch über­haupt das Pro­blem?“ Ge­nü­ge es nicht, wenn sich die Stadt an Kam­pag­nen von Tier­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen be­tei­li­ge?

Wird in Lorsch als er­ster Kom­mu­ne im Kreis Bergs­tra­ße im sprich­wört­li­chen Sin­ne zu­künf­tig mit Ka­no­nen auf Kat­zen ge­schos­sen? Die Mehr­heit der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung sieht das nicht so. Sie folg­te der Ar­gu­men­ta­ti­on von Schimpf, dass die „Kat­zen­schutz­ver­ord­nung“ zu­nächst ei­nen Ap­pell­cha­rak­ter ha­be. Auch er wis­se um die Schwie­rig­kei­ten bei der Um­set­zung und Kon­trol­le. Es sei auch nicht be­ab­sich­tigt, Mit­ar­bei­ter des Lor­scher Ord­nungs­amts mit dem Ke­scher durch die Stra­ßen zu schi­cken, um streu­nen­de Kat­zen ein­zu­fan­gen, sag­te Schimpf.

Auch PWL-Frak­ti­ons­spre­cher Ru­di Häus­ler, wie Schimpf selbst Kat­zen­hal­ter, wies auf mög­li­che Pro­ble­me in der Pra­xis hin. Letzt­lich über­wo­gen für ihn die Vor­tei­le ei­ner sol­chen Re­ge­lung, die es auch er­mög­li­che, ent­lau­fe­ne Kat­zen schnel­ler zu iden­ti­fi­zie­ren und sie ih­rem Be­sit­zer zu­rück­zu­ge­ben. Die­ser Ein­schät­zung schloss sich auch Olaf Jün­ge (CDU) an.

Die Kat­zen­schutz­ver­ord­nung be­ruht auf ei­ner Mus­ter­sat­zung des hes­si­schen Städ­te- und Ge­mein­de­bunds. Sie re­gelt ei­ne Kas­tra­ti­ons-, Kenn­zeich­nungs- und Re­gis­trie­rungs­pflicht. Ge­re­gelt wird auch die Fra­ge, wer Hal­ter ei­ner Kat­ze ist. Da­zu ge­nügt be­reits, frei­lau­fen­den Kat­zen re­gel­mä­ßig Fut­ter zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Die Sat­zung ent­hält auch Buß­geld­vor­schrif­ten. Bei wie­der­hol­ten Ver­stö­ßen kann ei­ne Geld­bu­ße bis zu 5000 Eu­ro er­ho­ben wer­den.

Erstellt am Donnerstag, 23. Februar 2017
Kategorie: Allgemeines

Bericht im BA

 

Bergsträßer – Anzeiger vom 23. Februar 2017:

 

Stadtverordnete: Katzenschutzverordnung beschlossen

Jetzt sind die Miezen an der Reihe

Von unserem Redaktionsmitglied Nina Schmelzing

 

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Katzen sind Raubtiere – freilaufende Exemplare reduzieren den Bestand von Vögeln und Reptilien. Für die Einführung einer Katzenschutzverordnung gibt es aber noch weitere vernünftige Gründe. Das wurde in Lorsch deutlich gemacht.

© dpa

Lorsch. Als erste Kommune im Kreis Bergstraße wird Lorsch eine Katzenschutzverordnung einführen. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte am Dienstag mehrheitlich für einen entsprechenden Antrag, den Matthias Schimpf für die Fraktion der Grünen einbrachte. Der neue Erlass sieht eine Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierpflicht für Katzen ab einem Alter von fünf Monaten vor, die Auslauf im Freien haben.

Mit dem Kescher durchs Gebüsch?

Die Sitzung, in der über die Verordnung ausführlich diskutiert wurde, geriet zur interessanten Biologiestunde. Er habe die Initiative der Grünen zunächst für eine zur Fastnachtszeit passende Aktion gehalten, räumte Rudi Häusler (PWL) ein, dass er den Antrag anfangs nicht ganz ernst genommen habe. Mit seiner Skepsis war Häusler nicht allein. Dirk Sander (SPD) erklärte eine weitere Satzung in Lorsch für „überflüssig“. Und wie sollen die Vorgaben überhaupt kontrolliert werden? Sollen Ordnungshüter künftig mit dem Kescher durchs Gebüsch streifen auf der Suche nach wilden Katzen? Hat Lorsch keine anderen Sorgen?

Schimpf konnte allerdings darlegen, warum die Verordnung sinnvoll ist – und mit seinen Argumenten schließlich die Mehrheit des Gremiums überzeugen. Der Grüne machte deutlich, dass es sich beim beliebtesten Haustier in Deutschland keineswegs immer um ein harmloses Samtpfötchen handelt. Auch Schmusekater gehören schließlich zur Familie der Raubtiere. Bewegen sie sich draußen, folgen sie ihrem Jagdtrieb und können sich in mörderische Miezen verwandeln.

Vor deren Killerinstinkt sind weder Vögel noch Spitzmäuse, weder Junghasen noch Blindschleichen ihres Lebens sicher. Und das, obwohl die meisten Katzen nicht mehr aus Hunger jagen. „Ernährt werden sie meistens aus der Dose“, erinnerte Schimpf. Von Katzen bejagte Reptilien wie die Zauneidechse gehören dagegen längst zu den bedrohten und daher besonders geschützten Arten.

Tiere leiden erbärmlich

Der Grünen-Fraktionsvize lenkte den Blick auf das Leid, das viele wilde Katzen selbst ereilt, wenn nicht frühzeitig regulierend eingegriffen wird und sie sich ungebremst vermehren. Eine trächtige Katze kann etwa neun Junge im Jahr werfen. Schimpf berichtete von Tierheimen, die ihre Kapazitätsgrenze erreicht und von zahlreichen Freigänger-Tieren, die mit „Katzen-Aids“ infiziert ein bedauernswertes Schicksal zu ertragen haben. Er erinnerte außerdem an die Infektionskrankheit Toxoplasmose, die von Katzen auch auf Menschen übertragen werden kann und für Schwangere und Immungeschwächte ein Risiko darstellt.

Im überschaubaren Lorsch seien ihnen – anders als in Ballungsgebieten – noch nie räudige Tiere begegnet, wandten zwar Stadtverordnete ein. Schimpf betonte jedoch: „Auch Tier-Messies sind verbreiteter, als Sie sich vorstellen können.“ Er berief sich auf seine langjährigen beruflichen Erfahrungen als Veterinärdezernent des Kreises. Er habe nicht nur einen Haushalt mit bis zu 50 Katzen in „erbärmlichem Zustand“ gesehen.

„Ich bin ein Katzenliebhaber“,stellte Schimpf klar. Er habe selbst lange Zeit einen Kater gehalten. Es gehe bei der Einführung der neuen Verordnung nicht darum, verantwortungsvolle Tierhalter zu gängeln oder zu bevormunden. Die Auflagen könnten aber entscheidend dazu beitragen, Fehlentwicklungen die Spitze zu nehmen und zu einer Bewusstseinsänderung zu verhelfen.

Naturschutzverbände unterstützten eine Katzenschutzverordnung ebenso wie Tierschützer, berichtete Schimpf. Der Grüne erinnerte daran, dass zahlreiche andere Tierfreunde schon lange Auflagen zu beachten haben – Hunde- und Pferdehalter genauso wie Geflügelhalter. Lorsch, so lobte er, habe schon oft eine Vorreiterrolle im Umwelt- und Naturschutz eingenommen.

Die SPD-Fraktion zeigte sich zwar überzeugt von der Sinnhaftigkeit einer Aufklärungskampagne, hielt aber nichts von der Einführung einer neuen Satzung. „Einiges ist unklar und erklärungsbedürftig“, meinte Annette Hemmerle-Neber. Sie beantragte, das Thema zunächst einmal zur Beratung in den Haupt- und Finanzausschuss zu verweisen. Für den SPD-Antrag gab es zwar Zustimmung aus der FDP-Fraktion, allerdings keine Mehrheit.

Die PWL forderte erfolgreich eine Sitzungsunterbrechung ein, die CDU bedankte sich bei Schimpf für dessen Ausführungen zur „Horizonterweiterung“. Anschließend stimmte die klare Mehrheit im Parlament für den Grünen-Antrag.

Schimpf räumte ein, dass merkliche Verbesserungen nicht sofort zu erwarten seien. Zwar könnten Ordnungswidrigkeiten künftig mit Geldbußen bis zu 5000 Euro geahndet werden, die neue Verordnung habe aber mehr Appell- als Ahndungscharakter. In Paderborn sei allein durch die öffentliche Bekanntmachung die Kastrationsrate um 40 Prozent gestiegen. Züchter von Rassekatzen können Ausnahmen beantragen.

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 23.02.2017

Erstellt am Donnerstag, 23. Februar 2017
Kategorie: Allgemeines