Grüne: Ortsverbände stimmen ihre Positionen ab Netzwerk über Stadtgrenzen hinweg

Bergsträßer Anzeiger
5. Februar 2009

Bergstraße. Auf Einladung der Grünen Liste Bensheim (GLB) trafen sich Vertreter der Grünen Listen und Ortsverbände aus Lorsch, Einhausen, Heppenheim, Bensheim, Zwingenberg und Seeheim-Jugenheim, um gemeinsame Positionen zur Regionalentwicklung
und Raumordnungsplanung abzustimmen.

Nach Vorstellung der aktuellen lokalen Planungen stellte Hans Henrich Spieß (Zwingenberg) fest: „Immer wieder werden verstaubte Rezepte aus den Schubladen geholt, deren verhängnisvolle Auswirkungen in der jeweiligen Nachbargemeinde schon besichtigt werden können. Hier die Verbrauchermärkte auf der grünen Wiese, dort die Gewerbebrachen, nebenan die flurbereinigten gesichtslosen Weinberge. Wir Grüne setzen nicht auf die Wachstums-Chimäre, sondern auf Erhaltung und Verbesserung unserer Lebensumwelt.“

Nein zu neuen Gewerbeflächen

Thilo Figaj, Vertreter der Grünen in der regionalen Planungsversammlung, zitierte aus einer Stellungnahme des hessischen Wirtschaftsministeriums zum Entwurf des Regionalplans 2020, wonach die FEH (heute Hessen-Agentur) in ihrem Hessen-Report von einem wesentlich geringeren Erwerbstätigen-Zuwachs als noch vor ein paar Jahren ausgehe, und „unter diesen Gegebenheiten die vorgesehenen Flächenausweisungen im Gesamtgebiet weit überdimensioniert wären“.

Doris Sterzelmaier berichtete aus Bensheim, dass die im Gewerbegebiet West seit Jahren brachliegenden Gewerbeflächen nach Ansicht des Bürgermeisters unverkäuflich seien. „Dabei haben wir durch einen Kompromiss im Koalitionsvertrag mit der CDU dem Bau der Westtangente bis zur Schwanheimer Straße zugestimmt, was unter anderem die Erschließung dieser Flächen wesentlich verbessern wird.“

Dieter Angermann von den Lorscher Grünen wies auf das Problem des fehlenden Flächenrecyclings hin: „Im Lorscher Süden entwickelt sich tendenziell eine riesige Industriebrache, während wir im Norden das 25 Hektar große, seit Jahren noch weitgehend unbebaute Gewerbegebiet Im Daubhart haben.“ Und weil die Erschließungskosten und Zinslasten aus dem Flächenankauf drückten, werde entgegen früherer Versprechungen angesiedelt, was immer komme. „Man merkt inzwischen deutlich, wie nach der Eröffnung dieser Märkte der Leerstand in der Innenstadt zugenommen hat.“

Auch Christian Gerber von den Grünen Einhausen berichtete von vielen Freiflächen im Innenbereich und der Ausweisung neuer Bauflächen im Norden des Ortes.

Die Grünen Ortsverbände an der Bergstraße wollen allen Begehrlichkeiten auf neue Bau- und Gewerbegebiete in Ortsrandlagen entgegentreten, zusätzlichen großflächigen Einzelhandel auf der grünen Wiese verhindern und ein Brachflächenkataster für ungenutzte Gewerbe- und Bauflächen in allen Orten beantragen. Außerdem streben sie eine interkommunale Zusammenarbeit an, die sich auch auf soziale Bereiche bezieht, und eine Umzugsberatung, die älteren Menschen hilft, geeigneten Wohnraum zu finden, wenn das eigene Haus zu groß geworden ist.

Um die eigene Zusammenarbeit zu verbessern, werden sie kritische Gebiete auf eine gemeinsame „Beobachtungsliste“ setzen und sich regelmäßig über die Veränderungen über das grüne Netzwerk austauschen. zg