ICE-TRASSE: Bürgerinitiative BILA im Gespräch mit Lorscher Grünen

Forst ist gegen Zerschneidungsvariante / Wiederaufforstung nicht möglich
Lampertheimer Zeitung 12.09.2009 von Oliver Lohmann. NEUSCHLOSS. Fast 90 offizielle Termine und rund 40 Mitstreiter, die sich 14-tägig in Fachausschüssen beratschlagen, hat die Bürgerinitiative BILA mittlerweile. Karl Hans Geil, Initiator der Bürgerinitiative, erläuterte Grünen aus Lorsch am Freitagnachmittag in der Neuschlösser Gaststätte „Kurpfalz“ die Entwicklung der Lampertheimer Organisation.

Die Grünen-Gruppe – darunter der 23-jährige Bundestagskandidat Christian Gerber aus Einhausen – war aus Lorsch mit dem Rad auf der möglichen ICE-Trasse gefahren. Bei ihnen manifestierte sich so der Eindruck, dass keine Zugtrasse diagonal durch den Wald gebaut werden kann.

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Geil (rechts im Bild) erläuterte den Gästen, dass die Bahn die Diagonalvariante bevorzugt habe, weil der Weg durch den Wald kürzer ist als bei der Bündelungsvariante an den Autobahnen entlang. Wenn die A67 nur auf einer Seite verbreitert würde, müsste nicht in beide Wälder eingegriffen werden, befand Geil. Direkt neben die erweiterte Fahrbahn könnte eine Betonwand und dahinter die ICE-Trasse gebaut werden. Dadurch sei nur auf einer Seite der Trasse ein Sicherheitsabstand zu Bäumen nötig. So könne viel Wald erhalten werden.

BILA liege mittlerweile auch eine Stellungnahme von Hessen-Forst vor: Die Behörde wende sich gegen eine Waldzerschneidung und plädiere für eine Trasse an den Autobahnen entlang. Allerdings hält das Forstamt eine Strecke östlich der A67 für sinnvoll – für die Lorscher höchstens als Tunnel vorstellbar. Geil: „Der Forst hat uns auch klargemacht, dass eine Wiederaufforstung bei einer Diagonalvariante nicht möglich ist. Die Sonneneinstrahlung ist zu hoch, der Grundwasserspiegel zu tief, und außerdem gibt es viele Engerlinge.“ Einen Tunnel oder einen Trog werde die Bahn bei Lampertheim keinesfalls bauen, schon wegen der Altlasten bei Neuschloß. Die Bahn müsste die Altlasten auf eigene Kosten entsorgen – daher würde sie eher noch die Trasse erhöhen, meinte Geil.

BILA-Mitstreiter Dieter Melchior berichtete, dass direkt an der Autobahn keine seltenen Vögel lebten. Wendehals, Brachpieper und Ziegenmelker seien im Innern des Waldgebiets zu finden. Daher sei es aus Naturschutzsicht möglich, Wald direkt an der Autobahn zu fällen. Die FFH-Gebiete an dieser Stelle könnten an anderer Stelle ausgewiesen werden. Sie seien ohnehin nur existent, weil Hessen sie aus Angst vor einer EU-Klage großzügig ausgewiesen habe.

Unproblematisch sei es auch, wenn die ICE-Trasse im Bereich der Sandmagerrasen im Viernheimer Wald entlangführe. Melchior: „Sandmagerrasen kann man verpflanzen.“ Eine Trasse im Osten Lampertheims nehme Bauern Felder weg, schneide Kröten ihre Wege ab und zerstöre Lebensraum vieler Vögel im Waldgebiet Bruch.

Die Lorscher Grünen erklärten sich solidarisch mit den BILA-Aktivisten: Der Wald sei auch für sie Naherholungsgebiet, eine Zerschneidung daher nicht akzeptabel. Der Grünen-Bundestagskandidat Christian Gerber sprach sich dafür aus, FFH-Gebiete dorthin zu verlegen, wo sie sinnvoll seien. Eine A300-Variante, die südlich der L3110 in Richtung Südwesten abknickt, sei vertretbar, wenn die Viernheimer Heide ersetzt werde.

Bild: Karl Hans Geil (rechts), einer der drei Sprecher von BILA, erläuterte den Gästen aus Lorsch und Lampertheim in der Neuschlösser Gaststätte „Kurpfalz“ den aktuellen Stand der Dinge bei der ICE-Trasse. Fotos: AfP Asel