Werbung für Atomkraft kritisiert

Bergsträßer Anzeiger
03. Juni 2009

Lorsch. Atomkraftwerbung auf Stadtfesten beklagen die Lorscher Grünen. „Kaum hatte der Lorscher Frühlingsmarkt begonnen, meldeten sich persönlich und telefonisch Bürger bei mehreren Lorscher Grünen-Politikern, und machten ihrem Unmut Luft“, so Fraktionssprecher Dieter Angermann.

„Stein des Anstoßes“ sei die „aggressive Werbung für Atomenergie“ gewesen, die im Rahmen des Frühlingsmarktes stattgefunden habe. Der Atomkraftwerkbetreiber RWE hatte eine Anzahl von professionell geschulten Werbern im Einsatz, so Angermann. Der Fraktionssprecher schreibt: „Offensichtlich handelte es sich um eine breit angelegte politische Kampagne, denn die Atomkraftwerber waren auch auf dem parallel zum Lorscher Fest stattgefundenen Tag der Autofreien Bergstraße aktiv.“ Die Wahl des Zeitpunkts komme nicht von ungefähr, meinen die Grünen und erinnern an die zwei unmittelbar bevorstehenden Wahlen und die im Herbst folgende Bundestagswahl.

Die Atomindustrie wolle sich nicht mehr an die auch von ihr unterzeichnete Ausstiegsvereinbarung halten und sehe stattdessen die Chance, den 2002 von Rot-Grün beschlossenen und im Atomgesetz verankerten Ausstieg rückgängig zu machen. Das nur zwölf Kilometer von Lorsch entfernte, von der RWE betriebene AKW Biblis A, eines der ältesten AKWs in Deutschland, müsse wie vorgesehen stillgelegt werden, fordern die Lorscher Grünen. Denn mit jedem Betriebsjahr nehme das vom Atomkraftwerk ausgehende Risiko zu. Für den Atommüll gebe es zudem keine sichere Entsorgung über Millionen Jahre. Eine Laufzeitverlängerung würde außerdem den Ausbau der erneuerbaren Energien, und damit den Klimaschutz, massiv behindern.

„Alle Sponsoren sind grundsätzlich sehr willkommen“, betont Thilo Figaj, Vertreter der Grünen in der IG Lorscher Kulturfeste. Mit einer derartig massiven Werbung für ein gesellschaftlich sehr umstrittenes Thema wie Atomkraft, der eine große Zahl Deutscher ablehnend gegenüberstehe, habe man allerdings weder gerechnet noch habe man sich so etwas gewünscht. Es sei auf offener Straße „zu heftigen und kontrovers geführten Diskussionen gekommen“, so Figaj. Das habe auf einem Stadtfest nichts zu suchen. In der nächsten Sitzung der Lorscher IG Kulturfeste – unter Leitung von Bürgermeister Klaus Jäger – will Thilo Figaj dieses Thema ansprechen, kündigen die Lorscher Grünen an. zg