Knappe Mehrheit für den Parkplatz im Bau- und Umweltausschuss

„Ausschuss: Bau für 100 Pkw sorgt weiter für Diskussionen”

In der Nähe des gläsernen Besucherzentrums soll – jenseits der Weschnitz – der umstrittene Parkplatz-Ost entstehen.

Lorsch. Der umstrittene Besucherparkplatz hinter dem Altenmünster war erneut ein Thema für eine Bauausschuss-Sitzung. Das Gremium gab – nach längerer Diskussion – grünes Licht für die weiteren Schritte auf dem Weg zum Baurecht. Das gelang mit der knappen Mehrheit aus den Reihen von CDU und PWL. Über die Empfehlung für den Parkplatz-Ost werden dann die Stadtverordneten zu entscheiden haben.

Gegen die Planung sprachen sich Mitglieder von SPD, Grünen und FDP aus. Annette Hemmerle-Neber (SPD) bemängelte unter anderem eine fehlende städtebauliche Begründung, Dr. Klaus Wolff (FDP) lehnte es ab, den Masterplan für die Welterbestätte auch als Verkehrskonzept zu akzeptieren. Heftige Kritik übte unter anderem Matthias Schimpf (Grüne). Mit dem ausgewählten Standort für den Großparkplatz, auf dem insgesamt bis zu 100 Autos und zehn Busse unterkommen sollen, zeigte er sich nicht einverstanden. Eine Ausdehnung über die Weschnitz hinaus sei “ein Tabubruch”. Aus Lorsch gebe es auch Unmut über das Wachsen des Bensheimer Stubenwalds, erinnerte er. Die Klosterstädter sollten nun nicht Ähnliches beginnen.

“Der Parkplatz liegt falsch”, wiederholte der Grüne. Die Wege zum Zentrum seien von dort aus weit. Die Stadt profitiere vom Welterbe-Prädikat, räumte Schimpf ein. Die Kritik der Grünen richte sich auch nicht gegen die Arbeit, die Lauresham leiste, betonte er. Den Bedarf für den Großparkplatz sah Schimpf allerdings – mit Blick auf den Saisonbetrieb in Lauresham – “dauerhaft nicht gegeben”. Die angespannte Parkplatz-Situation im Zentrum werde mit dem Neubau sowieso nicht gelöst.

Wohl 180 000 Gäste, nicht jeder zahlt

Lorsch. Annette Hemmerle-Neber (SPD) war mit mehreren Stellungnahmen der Verwaltung nicht einverstanden, als in der Ausschuss-Sitzung über das Ergebnis der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange zum Besucherparkplatz beraten wurde. Es gebe keine überzeugende Ermittlung zum Platzbedarf, kritisierte sie etwa. Die Zahl von 180 000 Besuchern pro Jahr plus eine jährliche Steigerung von fünf Prozent, von der Schlösserverwaltung als Anhaltspunkt gemeldet, führte auch bei Dr. Klaus Wolff (FDP) zu Fragen. Bürgermeister Schönung erinnerte daran, dass die Museumsbetreiber 2015 rund 60 000 Tickets verkauften – nur jeder dritte Lorsch-Besucher aber kaufe laut Schlösserverwaltung auch gleich eine Eintrittskarte.

Auch die von der SPD angeregte Bürgerbefragung zum Parkplatz war Thema. Die Stimmung für den Parkplatz sei nicht gut, so Wolff mit Hinweis auf eine Frage beim BA-Wahlforum im Vorjahr. Im laufenden Bauleitverfahren sei dieses Instrument jetzt nicht zulässig, so die Verwaltung. Kritik, die Bürger nicht mitzunehmen, wies Schönung mit Verweis auf die Offenlage zurück. Es seien kaum Stellungnahmen abgegeben worden – auch die Zahl der Zuhörer bei der Ausschuss-Sitzung war gering, bemerkte Schönung. sch

Noch ein weiteres Argument warf Schimpf in die Diskussion: Die Zufahrt zum Parkplatz von der B 460 aus könne zu einer “deutlichen Verschlechterung” des bislang ungehindert fließenden Verkehrs auf der Bundesstraße führen. “Das muss jedem klar sein”, warnte er.

“Wir stehen zum Parkplatz”, erklärte dagegen Jürgen Sonnabend. Der Christdemokrat erinnerte daran, dass mit der millionenschweren Aufwertung der Welterbestätte die Verweildauer der Besucher in Lorsch erhöht werden sollte. Mit der neuen Besucherlenkung über den Ankunftsort an der Weschnitz soll die Königshalle laut Masterplan als Höhepunkt eines Rundgangs erlebt werden. Es wäre zudem unsinnig, die Belastungen im Zentrum durch weiteren ortsfremden Straßenverkehr zu erhöhen, so Sonnabend.

Als “Fan von Lauresham” bezeichnete sich Anne Metz-Denefleh (Grüne). Das Freilichtlabor sei ein großer Zugewinn. Für die Schutzgüter Boden und Natur habe man aber ebenfalls Verantwortung. Der Flächenverbrauch für den Parkplatz sei “zu viel”. Metz-Denefleh vermisste ein “Gesamtverkehrskonzept” für die Besucherströme. Sie zeigte sich überzeugt davon, dass “noch nicht alle Möglichkeiten ausgereizt” seien. Statt einen Großparkplatz zu bauen, müssten sich auch “drei bis vier” kleinere Parkflächen finden lassen.

Bürgermeister Christian Schönung stellte klar, dass das Kloster ganzjährig Gäste anziehe, viele Termine auch außerhalb der Lauresham-Saison biete. Mit der Tabakscheune als Museum sorge auch die Stadt für zunehmenden Tourismus im Klosterfeld, ergänzte Frank Schierk (SPD). Von den Lorscher Gremien sei vor Jahren entschieden worden, das Infozentrum an die Weschnitz zu bauen, erinnerte Schönung. Würde der Parkplatz jetzt nicht in unmittelbarer Nähe errichtet, dann müsse man sich fragen lassen, warum das rund zwei Millionen Euro teure Glashaus dort überhaupt hingestellt wurde. “Ohne Infozentrum und Lauresham wäre der Parkplatz entbehrlich”, warf Schimpf dazu ein.

Ökologischster Stellplatz im Land

“Wir haben auch das Schutzgut Mensch”, so Schönung an die Adresse der Grünen. Parksuchverkehr mit den damit verbundenen Umweltgiften nütze niemandem. Zum Verkehrskonzept erinnerte er an den ÖPNV. Die Buslinie 641 sei ein “Riesenvorteil” als Zubringer. Der geplante Stellplatz an der Weschnitz soll zudem “der ökologischste Parkplatz Deutschlands” werden, so der Bürgermeister. Im Übrigen sehe der erste Bauabschnitt nur Platz für 50 Pkw und zehn Busse vor. sch

© Bergsträßer Anzeiger, Samstag, 18.03.2017“