Bericht im Starkenburger Echo

Starkenburger-Echo vom 23. Februar 2017:

 

Ka­no­nen auf Kat­zen?

TIER­SCHUTZ Auf An­trag der Grü­nen wird es in Lorsch ei­ne Ver­ord­nung zur Kas­tra­ti­on ge­ben

LORSCH. Mö­gen ei­ni­ge Stadt­ver­ord­ne­te beim Blick auf die Ta­ges­ord­nung der jüngs­ten Sit­zung des Kom­mu­nal­par­la­ments ge­schmun­zelt ha­ben, den An­trag der Grü­nen, ei­ne „Kat­zen­schutz­ver­ord­nung“ für Lorsch ein­zu­füh­ren, gar für ei­nen Fast­nachts­scherz ge­hal­ten ha­ben – Grü­nen-Frak­ti­ons­vi­ze Mat­thi­as Schimpf mach­te bei sei­ner An­trags­be­grün­dung auf den ern­sten Hin­ter­grund auf­merk­sam: Die Po­pu­la­ti­on ver­wil­der­ter Haus­kat­zen wächst.

Die Tier­hei­me der Re­gi­on hät­ten ih­re Ka­pa­zi­täts­gren­zen er­reicht. Vor al­lem ver­wil­der­te Kat­zen könn­ten kaum noch auf­ge­nom­men wer­den. Hin­zu kom­me, dass die Tie­re oft krank sei­en. Mit der Ein­füh­rung ei­ner Kas­tra­ti­ons­pflicht für im Frei­en le­ben­de Kat­zen sol­le die un­kon­trol­lier­te Ver­meh­rung ge­bremst wer­den. Kat­zen soll­ten mit­tels Mi­kro­chip oder Tä­to­wie­rung ge­kenn­zeich­net und re­gis­triert wer­den, er­klär­te Schimpf. In Lorsch sol­len da­mit zu­künf­tig nur noch kas­trier­te und ge­chipp­te Kat­zen vor die Tür dür­fen. Aus­nah­men gibt es für den Kat­zen­nach­wuchs un­ter fünf Mo­na­te so­wie auf An­trag für Zucht­tie­re.

Schimpf wies auch auf die ne­ga­ti­ven Fol­gen ei­ner Über­po­pu­la­ti­on von Kat­zen für Vö­gel und Rep­ti­lien hin. Kat­zen könn­ten auch Krank­hei­ten auf an­de­re Tie­re über­tra­gen. Um die Tie­re zu schüt­zen, ei­ne ste­tig stei­gen­de un­kon­trol­lier­te Ver­meh­rung zu brem­sen und die Tier­hei­me zu ent­las­ten, sei­en be­reits meh­re­re hes­si­sche Kom­mu­nen dem Vor­bild der Stadt Pa­der­born ge­folgt, ei­ne Kat­zen­schutz­ver­ord­nung ein­zu­füh­ren. In Pa­der­born gilt ei­ne sol­che seit 2008. Al­lei­ne durch die öf­fent­li­che Be­kannt­ma­chung sei die Ka­tra­ti­ons­ra­te dort um 40 Pro­zent ge­stie­gen, er­läu­ter­te Schimpf, der in sei­ner Zeit als Kreis­beige­ord­ne­ter auch De­zer­nent für das Ve­te­ri­när­we­sen war.

Nur die So­zi­al­de­mo­kra­ten stel­len die Sinn­fra­ge

Auch in Lorsch wird es zu­künf­tig ei­ne „Kat­zen­schutz­ver­ord­nung“ ge­ben. Die Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung stimm­te dem An­trag mit den Stim­men von Grü­nen, CDU und PWL so­wie ei­nem Ver­tre­ter der FDP zu. Die So­zi­al­de­mo­kra­ten sa­hen noch vie­le un­ge­klär­te De­tail­fra­gen und spra­chen sich wie die Li­be­ra­len für ei­ne wei­te­re Be­ra­tung im Haupt­aus­schuss aus. Für SPD-Frak­ti­ons­spre­cher Dirk San­der stell­te sich die grund­sätz­li­che Fra­ge: „Ha­ben wir in Lorsch über­haupt das Pro­blem?“ Ge­nü­ge es nicht, wenn sich die Stadt an Kam­pag­nen von Tier­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen be­tei­li­ge?

Wird in Lorsch als er­ster Kom­mu­ne im Kreis Bergs­tra­ße im sprich­wört­li­chen Sin­ne zu­künf­tig mit Ka­no­nen auf Kat­zen ge­schos­sen? Die Mehr­heit der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung sieht das nicht so. Sie folg­te der Ar­gu­men­ta­ti­on von Schimpf, dass die „Kat­zen­schutz­ver­ord­nung“ zu­nächst ei­nen Ap­pell­cha­rak­ter ha­be. Auch er wis­se um die Schwie­rig­kei­ten bei der Um­set­zung und Kon­trol­le. Es sei auch nicht be­ab­sich­tigt, Mit­ar­bei­ter des Lor­scher Ord­nungs­amts mit dem Ke­scher durch die Stra­ßen zu schi­cken, um streu­nen­de Kat­zen ein­zu­fan­gen, sag­te Schimpf.

Auch PWL-Frak­ti­ons­spre­cher Ru­di Häus­ler, wie Schimpf selbst Kat­zen­hal­ter, wies auf mög­li­che Pro­ble­me in der Pra­xis hin. Letzt­lich über­wo­gen für ihn die Vor­tei­le ei­ner sol­chen Re­ge­lung, die es auch er­mög­li­che, ent­lau­fe­ne Kat­zen schnel­ler zu iden­ti­fi­zie­ren und sie ih­rem Be­sit­zer zu­rück­zu­ge­ben. Die­ser Ein­schät­zung schloss sich auch Olaf Jün­ge (CDU) an.

Die Kat­zen­schutz­ver­ord­nung be­ruht auf ei­ner Mus­ter­sat­zung des hes­si­schen Städ­te- und Ge­mein­de­bunds. Sie re­gelt ei­ne Kas­tra­ti­ons-, Kenn­zeich­nungs- und Re­gis­trie­rungs­pflicht. Ge­re­gelt wird auch die Fra­ge, wer Hal­ter ei­ner Kat­ze ist. Da­zu ge­nügt be­reits, frei­lau­fen­den Kat­zen re­gel­mä­ßig Fut­ter zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Die Sat­zung ent­hält auch Buß­geld­vor­schrif­ten. Bei wie­der­hol­ten Ver­stö­ßen kann ei­ne Geld­bu­ße bis zu 5000 Eu­ro er­ho­ben wer­den.